kleben+++ Kooperationsforum "Kleben von Holz und Holzwerkstoffen" +++ Anmeldung bis 14. Juni / Fachforum bis 24. Mai +++
  • Informationen
  • Menschen & Meinungen
  • Forstliche Dienstleistungsunternehmen in Bayern - Interview mit Norbert Harrer

Forstliche Dienstleistungsunternehmen in Bayern - Interview mit Norbert Harrer

Norbert Harrer, Forstunternehmer und Vorsitzender des bayerischen Branchenverbandes
Norbert Harrer, Forstunternehmer und Vorsitzender des bayerischen Branchenverbandes

Bayerns Forst- und Holzwirtschaft wächst kontinuierlich: Ob Umsatzwachstum oder Beschäftigungswirkung, nirgendwo in Deutschland boomt der Cluster so wie im Freistaat. So die Hauptergebnisse der aktuell veröffentlichten Clusterstudie Forst, Holz und Papier. Mittendrin die Forstunternehmer, die mit einem Umsatzwachstum von 5,8 % und fast 190 Unternehmensgründungen pro Jahr sogar eine überdurchschnittliche Entwicklung aufweisen. Die erfreuliche Feststellung bietet Anlass zu einem Gespräch mit Norbert Harrer, dem Vorsitzenden des Verbandes bayerischer Forstunternehmer. Wolfgang Mai hat dazu fünf Fragen gestellt.

Herr Harrer, wie beurteilen Sie die Lage der Forstunternehmer?

Norbert Harrer: Unsere Branche hat sich positiv entwickelt. Umsatz, Beschäftigung und Unternehmenszahlen sind in den letzten Jahren gestiegen. Sowohl im privaten als auch im öffentlichen Wald wurde Waldarbeit auf Unternehmer verlagert, die heute über die Hälfte der Arbeit verrichten. Aber diese Verlagerung hat Grenzen und durch hohen Konkurrenzdruck ist die Ertragssituation schlecht. Wir befinden uns in einer Konsolidierungsphase, in der Unternehmen schrumpfen oder sogar aufgeben. Die Investitionsbereitschaft ist gering und die Preise gebrauchter Großmaschinen sind vergleichsweise niedrig. Viele Forstunternehmer haben einen landwirtschaftlichen Hintergrund und sehen angesichts der dortigen Unsicherheit im rasanten Strukturwandel derzeit kaum Investitionsalternativen. Daher werden die Einsatzkosten von Großmaschinen oft quersubventioniert. Analog zur Waldfläche sind die Wachstumsmöglichkeiten generell begrenzt.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Waldbewirtschaftung?

Harrer: Klima- und Bevölkerungswandel sowie generelle Bewirtschaftungseinschränkungen, drei Punkte bei denen wir agieren oder reagieren können.

Bewirtschaftungseinschränkungen hängen vom gesellschaftlichen Konsens ab und der ruft zu aktiver Mitgestaltung auf.
Bei räumlichen Einschränkungen hat sich der bayerische Weg "Schützen und Nutzen auf einer Fläche" bewährt. Wir unterstützen daher die bayerische Biodiversitätsstrategie.
Zeitliche Einschränkungen, wie die in anderen Ländern praktizierten Bewirtschaftungsverbote in der Vogelbrutzeit, bedürfen keiner generellen Regelung, sondern können durch eine freiwillige Abwägung im Einzelfall gehandhabt werden. Selbstverpflichtungen wie bspw. die PEFC-Zertifizierung führen zu einem vernünftigen und nachhaltigen Umgang mit unserer Produktionsgrundlage.
Aufmerksam machen möchte ich auf das hohe Totholzangebot vor allem in den öffentlichen Wäldern. Dort sehe ich besonders für den Arbeitsschutz eine Gefahr, aber leider auch den Verzicht auf wertvolle Nutzungsmöglichkeiten. Chancen für Klimaschutz und Wertschöpfung werden hier vernachlässigt.

Der Klimawandel fordert derzeit sowohl zu kurzfristigen Reaktionen auf, mittel- und langfristig darf eine angemessene Beteiligung von Nadelholz in den Wäldern nicht übersehen werden. Ansonsten droht eine schleichende Extensivierung, die gerade im ländlichen Raum zu Wertschöpfungs- und Arbeitsplatzverlusten führen kann. Eine bessere Einschätzung der Nadelholzbeteiligung sollte vorgenommen werden.

Der demografische Wandel ist für Forstunternehmer mehr Chance als Herausforderung. Waldbesitzer, die nicht mehr in der Lage oder Willens sind, ihre Wälder selbst zu bewirtschaften, sind zunächst potentielle Kunden. Hier bedarf es intensiver Beziehungspflege, um den Wunsch nach professioneller Unterstützung zu fördern. Aber auch für Arbeitgeber spielt die veränderte Gesellschaftsstruktur eine Rolle. Aktuell finden wir kaum noch genügend willige und ausreichend ausgebildete Mitarbeiter, wobei die Fluktuation in Abhängigkeit von individuellen Arbeitsbedingungen in den Unternehmen steigt. Dringend wäre in diesem Zusammenhang endlich eine geregelte Ausbildung von Forstmaschinenführern, wie sie gerade in Österreich auf den Weg gebracht wurde.

Der Einsatz von Forstdienstleistern basiert auf Information und Vertrauen. Wie beurteilen Sie die bisherigen Instrumente?

Harrer: Vertrauen ist eine der wichtigsten Hürden bei der Beauftragung von Forstdienstleistern. Informelle, insbesondere internetbasierte Instrumente können die Entscheidungen hier begleiten. Beispiele wie das Waldbesitzerportal des Landwirtschaftsministeriums, die Unternehmerdatenbank der LWF oder das Projekt 'mein Wald' der Cluster-Initiative begrüßen wir. Besonders wichtig sind Veranstaltungen vor Ort, bei denen Waldbesitzer konkrete Einsatzmöglichkeiten sehen und sich im direkten Gespräch beraten lassen können. Die Bildungsprogramme für Waldwirtschaft, die regionalen Waldbesitzertage, Sammel- oder Einzelberatungen der Ämter, der Forstzusammenschlüsse und der Unternehmer selbst schaffen hier die Vertrauensbasis, die den Einsatz professioneller Dienstleister mit entsprechendem Gerät und Erfahrung ermöglicht.

Ganz wichtig erscheint mir dabei nicht nur der Kontakt mit heutigen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern, sondern schon die Einbindung von Kindern und Jugendlichen. Schon die Waldbesitzer der Zukunft können so an Waldarbeit herangeführt werden. Das steuert dem Schlachthausparadox frühzeitig entgegen und gewinnt auch die Eltern für eine aktive Waldbewirtschaftung. Wir haben damit bereits gute Erfahrungen gemacht und fordern andere Forstunternehmer auf, diesen Brauch zu pflegen. Genauso wie der Milchbauer sollten auch Forstbetriebe besucht werden. In der bisherigen Bildungsarbeit im Rahmen der Waldpädagogik sind biologische Grundlagen, Natur- und Umweltschutz bereits sehr gut repräsentiert. Praktische Waldarbeit könnte dagegen stärker betont werden. Wir Forstunternehmer bieten uns hier gerne als Partner an.

Der Verband der Forstunternehmer ist letztes Jahr bei proHolz Bayern eingetreten. Was waren Ihre Beweggründe und haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Harrer: Die Forstunternehmer sind ein wichtiger Teil der gesamten Wertschöpfungskette. Der Beitritt zum Branchenbündnis war daher ein konsequenter Schritt für die Bündelung der Imagearbeit.

Die Wirkung kann man bislang noch nicht bei allen Zielgruppen beurteilen. Doch wir sind froh, dass es dieses bundesweite Vorzeigeprojekt in Bayern gibt. Bei der Ausgestaltung zukünftiger Kampagnen würden wir uns eine realistische und zeitgemäße Darstellung der Waldwirtschaft von der Bestandesbegründung bis zur Holzernte wünschen. Wir selbst tragen dazu ebenfalls bei. So berichtet das ZDF aktuell über die Forstunternehmerfamilie Wohlmuth aus Steinhöring. Auf Youtube erreicht ein stimmungsvoller Beitrag über einen Forstmaschineneinsatz in Oberbayern fast 60.000 Abrufe.

Im Juni findet in Roding die 17. KWF-Tagung statt. Welche Neuerungen erwarten Sie und welche Aktivitäten hat der Forstunternehmerverband geplant?

Harrer: Die forstliche Verfahrenstechnik entwickelt sich ständig weiter, daher sind vielfältige Neuerungen zu erwarten. Wir werden beispielsweise einen Harvesterfällkopf zeigen, der bei der Aufarbeitung gleichzeitig entrindet und so Rinde und deren Nährstoffe in den Beständen belässt. Auch der Einsatz von Drohnen, GPS oder Smartphones und internetbasierten Datenaustauschplattformen lässt weitere Rationalisierungsfortschritte erwarten.

Der bayerische Forstunternehmerverband engagiert sich mehrfach. Mit der Organisation eines Exkursionspunktes und der bayerischen Forwardermeisterschaft werden wir ganz praktische Anschauungsobjekte zeigen, als Mitglied des deutschen Forstunternehmerverbandes und von proHolz Bayern werden wir an zwei Informationsständen Teil der Öffentlichkeitsarbeit sein. Am Exkursionspunkt, der in bewährter Zusammenarbeit mit der Bayerischen Waldbauernschule Kelheim und der Forstlichen Vereinigung Niederbayern organisiert wurde, geht es um die sichere maschinelle Holzernte im Kleinprivatwald.

Weitere Informationen:

DruckenE-Mail

Menschen & Meinungen

  • Wortwechsel im Blätterwald: Interview mit Prof. Dr. Michael Suda und Dr. Günter Dobler

    Wortwechsel im Blätterwald: Interview mit Prof. Dr. Michael Suda und Dr. Günter Dobler In der Forst- und Holzbranche werden Forderungen nach konzertierter und wirksamer Außendarstellung zunehmend lauter: Im Konflikt verschiedener Interessengruppen gelingt es nicht immer, das bessere fachliche Argument auch durchzusetzen. Am Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik der Technischen Universität München ist nun ein Buch über Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Natur, Umwelt und Forst erschienen. Die Wahrheit allein genügt nicht, so das Credo der Verfasser: man muss sie auch gut erzählen können. Prof. Dr. Michael Suda und Dr. Günter Dobler beschäftigen sich auf sozialwissenschaftlicher Basis seit Jahren mit dem Selbstverständnis und der Außendarstellung der Branche. Mit ihrem Buch liefern Sie auch ein schön erzähltes und humorvoll gestaltetes Praxis-Beispiel. Wolfgang Mai vom Cluster Forst und Holz Bayern hat sich mit den Autoren unterhalten. Read More
  • proHolz Bayern: Martin Bentele folgt auf Johann Koch als Vorsitzender des Kuratoriums

    proHolz Bayern: Martin Bentele folgt auf Johann Koch als Vorsitzender des Kuratoriums Am 10. März 2017 fand der in der Geschäftsordnung von proHolz Bayern festgeschriebene Wechsel im Vorsitz von proHolz Bayern statt. Nach zwei Jahren im Amt wurde Johann Koch, Referent für Wald und Jagd des Bayerischen Bauernverbandes, von Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pellet Verbandes, abgelöst. Read More
  • Cluster Forst und Holz in Bayern - 10 Jahre Vernetzung und wirtschaftlicher Aufschwung: Interview mit der Leitenden Ministerialrätin Monika Rauh

    Monika Rauh, Leitende Ministerialrätin vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie Bayerns Forst- und Holzwirtschaft wächst kontinuierlich: Ob Umsatzwachstum oder Beschäftigung, nirgendwo in Deutschland boomt die Branche so wie im Freistaat. So die Hauptergebnisse der nach fast zehn Jahren Clusterarbeit veröffentlichten Clusterstudie Forst, Holz und Papier. Kann das so weitergehen und was kann man tun, um diese Entwicklung zu verstetigen? Wolfgang Mai von der Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern hat dazu mit Monika Rauh gesprochen, die im Bayerischen Wirtschaftsministerium als Referatsleiterin für Grundsatzfragen der Industrie, Chemieindustrie, Holz und Papier, Textilindustrie zuständig ist. Mit dem Cluster Forst und Holz in Bayern arbeitet Frau Rauh eng zusammen u.a. als Mitglied des Clusterbeirates und des Zukunftsnetzwerks Holzbau Bayern. Read More
  • Staatsmedaillen für Spann und von Redwitz

    Staatsmedaillen für Spann und von Redwitz (9. Juni 2016) Kösching, Lkr. Eichstätt – Für ihre Verdienste um die Forstwirtschaft und die Privatwaldbesitzer in Bayern zeichnete Staatsminister Helmut Brunner am Mittwoch, 8. Juni 2016, Sepp Spann und Eugen Freiherr von Redwitz mit der Staatsmedaille in Gold bzw. Silber aus. Read More
  • Zeiträume, Chancen und Herausforderungen - Interview mit Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten

    Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten proHolz Bayern und die Bayerischen Staatsforsten haben dieses Jahr viele gemeinsame öffentliche Auftritte wie z.B. vor kurzem auf der KWF-Tagung in Roding, demnächst auf dem Bayerischen Zentral-Landwirtschaftsfest in München und bei der Eröffnung der Ausstellung "Bauen mit Holz - Wege in die Zukunft" im Herbst in Berlin. Die Bayerischen Staatsforsten unterstützen die Cluster-Initiative Forst und Holz sowie proHolz Bayern inhaltlich und finanziell seit der Gründungsphase. Dr. Ines Heinrich von proHolz Bayern sprach mit Martin Neumeyer, dem Vorstandsvorsitzenden der Bayerischen Staatsforsten, über die zukünftigen Entwicklungen und Herausforderungen. Read More
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Wir koordinieren

Logo proHolz Bayern

 

Logo meinWald

 

Partnernetzwerke

Logo Regionalinitiativen in Bayern

Wir sind Mitglied bei

Logo Cluster Offensive Bayern

 

Logo go-cluster

 

Logo Cluster Management Excellence

Logo Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan