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Zeiträume, Chancen und Herausforderungen - Interview mit Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten

Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten
Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten

proHolz Bayern und die Bayerischen Staatsforsten haben dieses Jahr viele gemeinsame öffentliche Auftritte wie z.B. vor kurzem auf der KWF-Tagung in Roding, demnächst auf dem Bayerischen Zentral-Landwirtschaftsfest in München und bei der Eröffnung der Ausstellung "Bauen mit Holz - Wege in die Zukunft" im Herbst in Berlin. Die Bayerischen Staatsforsten unterstützen die Cluster-Initiative Forst und Holz sowie proHolz Bayern inhaltlich und finanziell seit der Gründungsphase. Dr. Ines Heinrich von proHolz Bayern sprach mit Martin Neumeyer, dem Vorstandsvorsitzenden der Bayerischen Staatsforsten, über die zukünftigen Entwicklungen und Herausforderungen.

1. Sie sind jetzt ein gutes Jahr in der Position des Vorstandsvorsitzenden der Bayerischen Staatsforsten. Was ist das schönste und was das schwierigste Ereignis in dieser Zeit gewesen?

Das schönste und das schwierigste Ereignis im ersten Jahr sind durch den Namen „Niklas“ verbunden. Der Sturm hat allein im Staatswald 1,5 Millionen Festmeter Schadholz verursacht, und zwar genau einen Tag bevor ich meine neue Aufgabe bei den Bayerischen Staatsforsten angetreten habe. Das war für mich die schwierigste Situation in meinem ersten Jahr.

Am schönsten war es zu sehen, wie engagiert alle Kolleginnen und Kollegen angepackt haben, um die Folgen des Sturms zu beseitigen und immer noch anpacken, um den Borkenkäfer im Griff zu behalten.

Zu meinen schönsten Ereignissen zählen auch meine Besuche bei den Forstbetrieben im ersten Jahr. Die Menschen und deren Engagement für Wald, die Vielfalt Bayerns, die Vielfalt der Waldbilder, auch der Aufgaben wie zum Beispiel die Pflege und die nachhaltige Nutzung unserer Staatswälder: Das alles kennen zu lernen war ein echtes Erlebnis. Und es hat mich in meiner Meinung bestätigt: Die Arbeit im und für den Wald ist einer der schönsten Arbeitsplätze in der Welt.

2. Was ist die größte Zukunftsherausforderung für die Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern? Wie kann dieser Herausforderung gemeinschaftlich begegnet werden?
(z.B. Stichwort: „Gesellschaftliche Diskussion“)

Ich glaube, dass das Cluster eine große Chance hat, weil gerade das Holzzeitalter angebrochen ist. Warum Holzzeitalter? Weil Holz ein immer stärker gefragter Wertstoff ist und unschlagbare ökonomische und ökologische Vorteile hat. Für uns alle im Cluster ist die zentrale Herausforderung, der Gesellschaft zu erklären, dass der genutzte Wald gelebte Ökologie bedeutet und dass die Gleichung, dass nur ein stillgelegter Wald ein guter Wald ist, in dieser Allgemeinheit nicht stimmt.

3. Die Bayerischen Staatsforsten hatten 2015 ihr 10-jähriges Bestehen. Wir haben dieses Jahr 10 Jahre Jubiläum Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern sowie 5 Jahre proHolz Bayern. Wo sehen Sie den Cluster Forst und Holz in Bayern und proHolz Bayern in weiteren 10 Jahren?

Ich sehe den Cluster und proHolz Bayern als Wegbereiter des Holzzeitalters. Forschung, Wissenschaft und Handwerk müssen sich eng vernetzen und möglichst gemeinsam das Potential des Rohstoffs Holz ausschöpfen. Und: Unsere Wälder, das darin wachsende Holz und dessen Nutzung sind ein wichtiger Schlüssel für die Lösung gesamtgesellschaftlicher Herausforderungen. Wald und Holz können Antworten geben auf Zukunftsfragen wie die Energieversorgung oder die Substitution von fossilen Energieträgern. Ökologisches und gesundes Leben und Wohnen lassen sich mit dem Wertstoff Holz am besten verwirklichen. Das Cluster hat aus meiner Sicht die Chance, in zehn Jahren mit in der Spitzengruppe der Wirtschaftscluster in Bayern zu stehen. Wir sollten gemeinsam versuchen, diese Chance zu nutzen.

4. Die aktuelle „Clusterstudie Forst, Holz und Papier 2015“ zeigt, dass zukünftig die Weichen noch mehr in Richtung Innovation gestellt werden müssen. Wo sollte die Cluster-Initiative hierbei ansetzen?

Der Rohstoff Holz hat beste Entwicklungschancen, es gibt Raum für viele spannende Innovationen. Im Wesentlichen sind das aus meiner Sicht zwei Bereiche:

Zum einen hat der Holzbau an der Spitze der Wertschöpfung des Wertstoffs Holz einen ganz besonderen Stellenwert. Der Holzbau bietet neben den architektonischen Möglichkeiten eine einzigartige Mischung aus Lebensgefühl, Schönheit und Natürlichkeit. Holzbau hat wegen seines verantwortungsvollen Materialeinsatzes eine äußerst positive Wirkung auf die Haltung unserer Bevölkerung gegenüber der nachhaltigen Holznutzung.

Zum anderen sehe ich die Bioökonomie als Chance. Vom Treibstoff, der Öl und Benzin zumindest teilweise ersetzen kann, bis hin zur Kleidung, die aus dem Rohstoff Holz hergestellt wird: Holz bietet vielfältigste Einsatzmöglichkeiten. Bereits heute werden aus Holz hochwertige Fasern für Stoffe produziert, die der Baumwolle gleichwertig oder sogar überlegen sind. Und es gibt vielversprechende technische Verfahren, wie man aus Bestandteilen von Holz Plastik ersetzen kann. Die Bioökonomie rund ums Holz ist für mich ein Zukunftsfeld, das eine wesentliche Rolle in der Arbeit des Clusters spielen wird.

Ganz entscheidend wird in beiden Bereichen – dem Holzbau und der Bioökonomie – sein, dass wir eng mit der Forschung zusammenarbeiten.

5. Wir sehen uns dann auf dem Bayerischen Zentrallandwirtschaftsfest. Möglicherweise beim Waldfühlpfad, den wir auf Ihre Anregung bei der Tanzlinde umgesetzt haben. Sind Sie ein Freund des Oktoberfests? In welchem Festzelt oder welcher Schaubude könnten wir Sie treffen? Außer natürlich am 21.09. im Festzelt Tradition beim Mitarbeitertag der Bayerischen Staatsforsten.

Ich gehe jedes Jahr gerne mit meiner Familie und mit Freunden auf die Wies‘n. Das wird in diesem Jahr nicht anders sein. Wir dürfen uns trotz erhöhter Sicherheitsmaßnahmen unsere Tradition und Lebensfreude nicht nehmen lassen. Der Schwerpunkt ist für mich in diesem Jahr natürlich das Zentrale Landwirtschaftsfest mit der Leistungsschau unserer Land- und Forstwirtschaft in Bayern. Und natürlich das Augustiner-Festzelt auf dem ZLF.

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