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Wortwechsel im Blätterwald: Interview mit Prof. Dr. Michael Suda und Dr. Günter Dobler

suda dobler web
Prof. Dr. Michael Suda und Dr. Günter Dobler (v. l.) von der Technischen Universität München sind Experten im Bereich der Meinungsbildung und Außendarstellung rund um das Thema "Wald".

In der Forst- und Holzbranche werden Forderungen nach konzertierter und wirksamer Außendarstellung zunehmend lauter: Im Konflikt verschiedener Interessengruppen gelingt es nicht immer, das bessere fachliche Argument auch durchzusetzen. Am Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik der Technischen Universität München ist nun ein Buch über Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Natur, Umwelt und Forst erschienen. Die Wahrheit allein genügt nicht, so das Credo der Verfasser: man muss sie auch gut erzählen können. Prof. Dr. Michael Suda und Dr. Günter Dobler beschäftigen sich auf sozialwissenschaftlicher Basis seit Jahren mit dem Selbstverständnis und der Außendarstellung der Branche. Mit ihrem Buch liefern Sie auch ein schön erzähltes und humorvoll gestaltetes Praxis-Beispiel. Wolfgang Mai vom Cluster Forst und Holz Bayern hat sich mit den Autoren unterhalten.

Herr Professor Suda, Herr Dr. Dobler, ihr Buch „Wortwechsel im Blätterwald“ trägt den Untertitel »Erzählstrukturen für eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit«. Worum geht es genau?

Unser Buch gliedert sich in drei Teile. Im ersten Abschnitt geben wir einen leicht verständlichen Überblick über zentrale Erkenntnisse der Kommunikationswissenschaft und nehmen die forstliche Öffentlichkeitsarbeit unter die Lupe. Dabei räumen wir mit einigen weit verbreiteten, aber irrigen Vorstellungen auf, die der öffentlichen Kommunikation forstlicher Akteure immer wieder schaden. Im zweiten Teil geht es darum, wie man die Attraktivität und Kraft von Erzählungen nutzen kann, um sein Anliegen und seine Botschaften eingängig und wirkungsvoll zu kommunizieren. Denn es ist egal, ob Sie Recht haben und inhaltlich die Wahrheit sagen. Sie müssen Sachverhalte so darstellen, dass sie von denen geglaubt werden, die sie noch nicht kennen. Damit einem Publikum etwas sinnvoll, wichtig und glaubwürdig erscheint, muss es leicht verständlich sein, Gefühle aktivieren und zu bereits vorhandenen Vorstellungen und Überzeugungen passen. Wir stellen Konzepte vor, die helfen, das zu bewerkstelligen und zeigen ihre Anwendung an Beispielen aus der forstlichen Praxis und zu aktuellen Streitfällen in öffentlichen Auseinandersetzungen zum richtigen Umgang mit Wald. Und nicht nur das: Wir zeigen auch, wie Sie Metaphern und die symbolischen Aspekte des Handelns effektiv einsetzen oder wie Sie diese Konzepte für die Motivation von Mitarbeitern und die Identität Ihres Unternehmens nutzen. Im dritten Abschnitt liefern wir das Öffentlichkeitsarbeitskonzept und Anwendungsbeispiele für eine fiktive forstliche Organisation. Es geht uns einfach um die praktische Anwendung. Das Buch ist wissenschaftlich fundiert, soll aber Praktikern in ihrer Kommunikationsarbeit helfen.
Das Buch ist einfach zu lesen. Wir haben alles in gut verdauliche Häppchen aufgeteilt. Viele Zeichnungen und mehrere Comicfiguren, die aus unterschiedlichen Perspektiven Kommentare beisteuern, machen es kurzweilig und unterhaltsam…

Die Frage, wie man öffentlich wirksam argumentieren kann, hat eine lange Tradition. Welche Theorien, Modelle oder Autoren haben Sie besonders beeinflusst?

Aristoteles hat mit seinem Satz »Allemal gilt, dass, wer Begriffe und Gedanken bestimmt, auch Macht über Menschen hat, denn nicht die Taten sind es, die Menschen bewegen, sondern Worte über Taten« einen wichtigen Grundstein für die Kommunikation im öffentlichen Raum gelegt und diese mit dem Begriff der Macht verbunden. Wie gesagt, der erste Teil gibt einen Abriss über eine ganze Reihe von Ansätzen, hinter denen die unterschiedlichsten Autoren stehen. Was den Aspekt der Erzählungen angeht, verdanken wir viel [Algirdas Julien] Greimas, einem bekannten Vertreter der narrativen Semiotik, und [Joseph] Campbell, einem berühmten Mythenforscher. Die narrative Semiotik ist die Wissenschaft, die sich damit beschäftigt, wie durch Strukturen in Erzählungen ein bestimmter Sinn entsteht. Es geht ja im Sinne von Aristoteles nicht um die Dinge, sondern die Bedeutung der Dinge. Ob etwas als bedroht oder bedrohlich angesehen wird, wird durch Kommunikation festgelegt.

Welche Formen der Öffentlichkeitsarbeit eignen sich für die Branche besonders gut? Wo kann man anknüpfen?

Die meisten Menschen in Deutschland, ja weltweit, lieben den Wald. Das kann man für die Öffentlichkeitsarbeit nutzen. Die gegenwärtige heftige Diskussion um Forstwirtschaft oder Naturschutz zeigt, dass das Objekt Wald und seine Nutzung sehr unterschiedlich betrachtet werden können. Mal ist der Wald in Gefahr und muss gerettet werden, mal ist alles seit 300 Jahren in Ordnung.
Es können viele wahre Geschichten erzählt werden, in denen Forstleute und Waldbesitzer Gefahren für den Wald abwehren. Und wer den wertvollen Wald schützt, hat auch eher Rückhalt in der Gesellschaft. Beispiele, in denen Förster und Waldbesitzer als Helfer des Waldes und der Gesellschaft sichtbar werden, müssten viel mehr verbreitet werden. Wir reden nicht von Statistiken oder allgemein gehaltenen Texten über die Leistungen der Waldwirtschaft, sondern über viele konkrete Beispiele, die spannend, erzählens- und vor allem hörenswert sind.

Was kann die Branche noch lernen, etwa bei der Abfassung von Pressetexten?

Die Branche kann lernen, mehr auf die Effekte der Kommunikation zu achten. So machen z. B. Gegendarstellungen das Thema und die Argumente der Gegenseite erst einmal bekannter. Man schüttet sozusagen Öl ins Feuer. Besser ist es, eigenständige überzeugende Geschichten zu erzählen und dabei die vorhandenen Vorstellungen der Bevölkerung ernst zu nehmen. Sie einfach nur als fachlich falsch abzulehnen, hilft da nicht weiter. Wer Alice überzeugen will, muss zu ihr ins Wunderland kommen.

Einer, der es offensichtlich ins Wunderland geschafft hat, ist Peter Wohlleben – wahrscheinlich der bekannteste Förster der Republik. Kann man seine PR-Arbeit als kommunikative Meisterleistung bezeichnen?

Es gibt keine forstliche Veranstaltung in den letzten zwei Jahren, auf der nicht über Peter Wohlleben gesprochen wird. Er muss nicht da sein und ist doch allgegenwärtig. Er trifft mit seinen Vorstellungen eine Sehnsucht des Menschen, macht den Wald zu einem spannenden Wesen voller Geheimnisse. Die Bücher sind Bestseller, weil diese Form der Erzählung die Menschen interessiert und man dem Wald in einem neuen sprachlichen Kleid begegnet. Offensichtlich ist der naturwissenschaftliche Akt der Entzauberung und der ökonomische Weg der Verfügbarmachung für die Menschen nicht so spannend, vielleicht sogar abstoßend. Peter Wohlleben zeigt, wie man gute Geschichten über ein spannendes Objekt erzählt. In gewisser Weise erklärt unser Buch auch, warum er so erfolgreich ist.

Wer unser Buch zur Hand nimmt, wird seine Sichtweise auf öffentliche Kommunikation verändern. Für das damit verbundene Risiko und die positiven Nebenwirkungen übernehmen wir Autoren gerne die Verantwortung.


Michael Suda & Günter Dobler

Wer genau nachlesen will, kann das im November 2016 bei Books on Demand erschienene Buch »Wortwechsel im Blätterwald« für 29,95 € überall im Buchhandel käuflich erwerben: ISBN: 978-3741283727

Wortwechsel im Blätterwald
Erzählstrukturen für eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit
Günter Dobler – Michael Suda – Gerhard Seidl

https://www.waldentwickler.de/bezugsquellen

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