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Mehrgeschossiger Holzbau in Bayern - Interview mit Prof. Dr.-Ing. Stefan Winter

Prof. Dr.-Ing. Stefan Winter, Inhaber des Lehrstuhls für Holzbau und Baukonstruktion an der Technischen Universität München
Prof. Dr.-Ing. Stefan Winter, Inhaber des Lehrstuhls für Holzbau und Baukonstruktion an der Technischen Universität München

Prof. Dr.-Ing. Stefan Winter ist Inhaber des Lehrstuhls für Holzbau und Baukonstruktion an der Technischen Universität München. Seine Forschungsgebiete umfassen u.a. den vielgeschossigen Holzbau, den Brandschutz im Holzbau, energieeffiziente Holzbauweisen und Gebäudemodernisierungen mit vorgefertigten Bauteilen sowie Lebenszyklusanalysen und Ökobilanzierungen. Dr. Jürgen Bauer hat den Holzbau-Experten zum aktuellen Thema "mehrgeschossiger Holzbau" befragt.

Lieber Herr Professor Winter, Sie haben Anfang Juli gemeinsam mit den Professoren Hermann Kaufmann und Stefan Krötsch den Atlas "Mehrgeschossiger Holzbau" herausgegeben. Welche Wirkung erwarten Sie sich von diesem Kompendium?

Stefan Winter: Nahezu alle Metropolregionen müssen zeitnah die anhaltend hohe Nachfrage an Wohnraum befriedigen und gleichzeitig ressourcenschonend agieren. Holz bietet hier gerade auch im mehrgeschossigen Bauen zukunftsfähige Lösungen. Dieser Atlas stellt das neue, umfassende Nachschlagewerk zum mehrgeschossigen Bauen mit Holz dar und vermittelt Architekten, Ingenieuren und Holzfachleuten die wesentlichen Fachkenntnisse zur neuen Systematik und Konstruktionsmethodik vom Entwurf über die Vorfertigung bis hin zur Fügung vor Ort.

Professor Winter, Sie sind maßgeblich an aktuellen Anpassungen an Bundes- und Länderbauordnungen beteiligt. Können Sie kurz den aktuellen Stand für Bayern skizzieren?

SW: Für Anpassungen von Bauordnungen braucht es immer eine starke wissenschaftliche Untermauerung. Dies geschieht für den Holzbau aktuell durch gleich drei Projekte, an denen wir mit weiteren Forschungspartnern beteiligt sind. In Bayern werden wir weiterhin gemeinsam mit dem Landesinnungsverband des bayerischen Zimmererhandwerks in der nächsten Zeit den Kontakt mit den Baubehörden suchen und notwendige Aktualisierungen diskutieren. Ich sehe uns da in Bayern und auch deutschlandweit auf dem richtigen Weg.

Können Sie ein Beispiel Ihrer aktuellen wissenschaftlichen Projekte zur Anpassung der Bauordnung geben?

SW: Das in 2017 von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe genehmigte Projekt "TIMpuls" z.B. analysiert die brandschutztechnischen Grundlagen im Holzbau: Noch vorhandene Wissenslücken sollen geschlossen, der Öffentlichkeit, der Baupraxis und den bauaufsichtlichen Gremien eine vollständige Lösung für die brandschutztechnische Bewertung von Holzbauten bis zur Hochhausgrenze zur Verfügung gestellt und damit die Basis für die gleichberechtigte Behandlung von Holzbauten - insbesondere den mehrgeschossigen - erreicht werden.

Wie können wir mit dem Cluster und unserem Imagebündnis proHolz Bayern bei diesem Prozess unterstützen?

SW: Die rechtliche Anpassung der Bauordnung ist das eine, aber genauso wichtig ist die Überzeugungsarbeit bei den Architekten, Planern und z.B. kommunalen Entscheidern. An dieser Stelle ist die Vernetzung der Branche durch die Clusterarbeit und sind die vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen von proHolz Bayern bereits sehr wertvoll. Ich rufe deshalb alle Branchenakteure auf, sich hier für unseren gemeinsamen Werkstoff zu engagieren. Auch freut es mich, dass die proHolz-Organisationen von Österreich, Bayern, Baden-Württemberg und der Schweiz zukünftig gemeinschaftlich stärker zusammenarbeiten wollen. Von zentraler Bedeutung ist für mich zudem die Entwicklung eines proHolz Daches auf Bundesebene.


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