Sich regen bringt Segen: 5. Waldtag der VBF

Regionalität in der Forst- und Holzwirtschaft

München (16.09.2016, ANW) Die Vertreter der Bayerischen Forstwirtschaft (VBF) – der Zusammenschluss der forstlichen Akteure – wirken zusammen für eine gute Zukunft der Waldwirtschaft in Bayern. Am Waldtag am 16.9.2016 referierten Experten über Fragen der regionalen Wirtschaft. Horst Gleißner von den Forstexperten konnte als Sprecher der VBF rund 130 Teilnehmer aus der Branche im großen Hörsaal der TU München in Weihenstephan begrüßen. Dr. Jürgen Bauer und Carl v. Buttler moderierten die Veranstaltung in gelungener Weise.

Staatsminister Helmut Brunner zollte Respekt angesichts des nunmehr 5. Waldtages. Er freut sich über Zusammenhalt und Zusammenwirken der bayerischen forstlichen Vereine und Verbände – einmalig in Deutschland. Er erwarte angesichts des bei den VBF versammelten Expertenwissens auch Orientierung und öffentliche Wirkung, zumal der Wald keine Privatsache einzelner Gruppen sein kann, die nur Stilllegung und Wildnis im Auge haben. Dies gelte ungeschmälert angesichts der Entscheidung, nach objektiven Kriterien und ergebnisoffen die Möglichkeiten für einen 3. Nationalpark im Staatswald zu prüfen. Gegen den Willen der Örtlichen werde es keinen Nationalpark geben. Die Bayerische Biodiversitätsstrategie bestehe nach wie vor im „Schützen und Nutzen“, das heißt, Ökologie und Ökonomie auf der Fläche nicht zu trennen. Dies entspreche dem bäuerlichen Denken und Handeln seit Generationen. Die VBF haben frühzeitig erkannt, dass Waldwirtschaft im umfassenden Sinne vorteilhaft ist und das wiederholt in den Waldtagen und Botschaften dokumentiert. Die Waldwirtschaft ändere sich ebenso wie andere Bereiche. Die moderne Form mit hochleistungsfähigen Techniken muss der Öffentlichkeit erklärt werden, die den Wald teilweise einseitig wahrnimmt; keine Branche wirtschaftet mehr wie vor 100 Jahren.

Staatsminister Helmut Brunner

Die mit dem Klimawandel einhergehenden Veränderungen in der Natur erfordern gute Netzwerke von Experten. Der von seinem Hause organisierte Klimakongress in Würzburg war ein Beitrag dazu. Herausragend bleibe der standortgerechte Waldbau und Waldumbau in klimatolerante Wälder. Vom gesetzten Ziel, bis zum Jahr 2020 100.000ha umzubauen sei bereits die Hälfte erreicht. Die im Doppelhaushalt 2016/2017 auf 6 Mio. € aufgestockten Fördermittel seien wegen der unbürokratischen Verfahrensweise in Bayern und dem höheren Bedarf nach dem Sturm „Niklas“ bereits stark abgeflossen. Es ist unsicher, ob nochmals verstärkt werde könne. Waldbesitzer müssen ihren Bedarf kommunizieren.

Mit dem Begriff „Regionalität“ haben die VBF ein Megathema gewählt. Im Gartenbau sei das Motto „Kaufen, wo‘s wächst“ überzeugend. Der Wald wird nur dann nach hohen Standards gepflegt, wenn ausreichende Erlöse erzielt werden. In Bayern zeichnet sich eine positive Entwicklung in Forst- und Holzwirtschaft ab: Holzbau, Hackschnitzelheizungen und Holzfasertechnologien sind Indikatoren dafür.

Waldwirtschaft kann private und öffentliche Interessen gut verbinden. Menschen suchen Orientierung. Die Waldtage stellen einen Kompass für die Öffentlichkeit dar. Er stehe als Staatsminister fest an der Seite der Waldbesitzer. Lange anhaltender Applaus bewies, dass Minister Brunner die Auffassungen der Zuhörer bestätigt hatte.

Am Beispiel des LEADER-Programms erläuterte Dr. Joachim Först von der Lokalen Aktionsgruppe „Wein, Wald, Wasser“ in Unterfranken Aufbau und Funktionsweise einer Lokalen Aktionsgruppe. Lenkungsausschuss, Beirat und Strategiegruppen wirken auf Projekte hin, die die Interessen der Beteiligten in der Region verfolgen. Projektvorschläge erwartet nach kritischer und positiver Prüfung eine Finanzierung bis zu 50%. Aktivitäten zur Umweltbildung verhalfen dem ländlichen Raum zu besserem Verständnis der Landnutzung: LEADER fördert die Entwicklung des ländlichen Raumes. Die Aktionsgruppe „Wein, Wald, Wasser“ ist ein erfolgreiches LEADER-Projekt, das zeigt, wie die Vernetzung der Forstwirtschaft mit anderen Interessengruppen funktionieren kann.

Wolfgang Graf skizzierte die Entwicklung des Walderlebniszentrums Gramschatzer Wald. Zahlreiche Aktionen für die Bevölkerung lässt das Interesse am Wald wachsen: „Natur.Kunst.Licht“ oder „Wein.Wald.Wasser“, „Sinneswandel“ für Menschen mit Behinderung, „Kinowald“ oder der „Zahlenwald“ als Einstieg in die Mathematik sind bemerkenswerte Beispiele dafür. Man muss auf die Menschen zugehen. „Über Projekte erreicht man die Gesellschaft. Entscheidend ist die Vernetzung!“, so Graf.

Ernst Joßberger hob den Informationsaustausch und die entstehende Zusammenarbeit hervor. Der Lenkungsausschuss sei für ihn als Bürgermeister besonders wichtig, da hier Projektvorschläge beurteilt werden. Nicht-staatliche Mitglieder verfügen über die Stimmenmehrheit. Mit dem LEADER-Projekt Wein.Wald.Wasser gelang es, 28 Gemeinden zusammenzuschließen und einen großen Beitrag für die Entwicklung der Region zu leisten. Der Wald nehme dabei eine wichtige Stellung ein.

Zusammengefasst erweist sich, dass LEADER-Aktivitäten nur Vorteile für die Beteiligten entstehen lassen. LEADER ist erfolgreiche Methode, regionale Entwicklungen auszulösen.

Jutta Roosen, Professorin für Marketing und Konsumforschung der TU München, zeigte anhand mehrerer Beispiele aus dem Lebensmittelmarketing, dass Regionalität ein neuer Trend ist, den die Forstwirtschaft bisher zu wenig aufgreift (regionale Lebensmittel-Spezialitäten finden sich inzwischen in allen Supermärkten). Die regionale Nachfrage wird befördert wegen der kurzen Transportwege, der Unterstützung der ansässigen Wirtschaft, der Frische der Produkte und dem direkten Kontakt zum Erzeuger. Ökoprodukte werden assoziiert mit den Merkmalen Qualität, Preis, Gesundheit und Geschmack. Der Konsument will angesprochen werden! Will die Forstpartie mehr Einfluss und Handlungsspielraum gewinnen, sollte Sie sich mehr Interessenten an Bord holen.

Der erste und der zweite Bürgermeister der Nationalparkgemeinde Neuschönau im Bayerischen Wald, Alfons Schinabeck und Michael Segel, demonstrierten in erfrischend vorgetragenem Wechselspiel, wie die Gemeinde angesichts rückläufiger Tourismuszahlen auf das Holz zielt: „Holz für die Seele“ mit dem Menschen im Mittelpunkt. Es entsteht ein „Holzweg“ quer durch die Gemeinde, ein bayerisch-bömisches Holzfest und ein Holzsymposium gehören ebenso dazu wie die Idee für ein Holzerlebniszentrum.

Horst Gleißner, Sprecher der VBF. Die gemeinsame Botschaft der Bayerischen Forstwirtschaft wurde zum Waldtag 2016 per Flyer veröffentlicht.

Zertifizierungen sollen dem Interessierten einen bestimmten Standard nachweisen. Heute allerdings genügen diese Label nicht mehr, um glaubhaft zu sein, weil der Bezug zur Herkunft fehle, wie Wilfried Stech von der HW-Zert-GmbH umriss. Seit Januar dieses Jahres kann PEFC ein Regionallabel verleihen. Geprüft wird nicht nur die Produktionsweise des Holzes, sondern auch die Verarbeitung bis zum Verkauf. Damit wird dem Kunden bestätigt, dass Umweltgesichtspunkte (globales Denken) mit regionaler Herkunft (lokales Handeln) verbunden sind. Unterschieden werden derzeit drei regionale Ebenen: Deutschland, Bayern und die Regionen Allgäu, Altbayern und Bayerisches Oberland.

Die Bedeutung der Regionalität in Verbindung mit dem Gefühl nach Heimat thematisierte Johann Killer von der WBV Wolfratshausen. Der Landkreis Bad Tölz will bis zum Jahr 2035 energieautark sein. Dazu muss man wissen, woher die Energie stammt: Herkunftsnachweise sind notwendig. Er lobte die Initiativen von Staatsminister Brunner zum Waldnaturschutz und zur Nachhaltigkeit, weil sie den Zugang zu Umweltgruppen eröffnet haben. Mit dem Regionallabel von PEFC sei es auf einfache Weise und ohne zusätzliche Kosten möglich, die Herkunft von jährlich 100-150.000 Fm Holz aus dem Bayerischen Oberland nachzuweisen. Das Label signalisiere „Wir kaufen Heimat“.

Wie sich ein nicht der EU angehörendes Land in der Holzförderung aufstellt, vermittelte Christoph Starck, Direktor des Zusammenschlusses Lignum aus der Schweiz, worin 14 Verbände und 4000 Direktmitglieder zusammenarbeiten. Der Holzbau erlebe seit 10 Jahren einen Boom. Aber trotz ausgesprochen freundlicher Bauvorschriften für Holz – bis hin zum Hochhaus – dominieren Anteile ausländischen Holzes. Neben den Labels der Zertifizierung müsse unbedingt die Herkunft nachgewiesen sein. Das Label „Swiss Made“ oder „Bio Swiss“ bzw. Schweizer Holz“ erreiche den Konsumenten zwar. Jedoch stellen die Kosten eine hohe Hürde dar, sich letztendlich für das teurere schweizerische Holz zu entscheiden.

Die Diskussionen zeigten klar auf, dass die Waldwirtschaft der Gesellschaft vermittelt werden muss. Um als glaubwürdig gelten zu können, müssen Zertifizierungen mit Nachweisen zur regionalen Herkunft kombiniert werden. Es ist jedoch fraglich, ob sich damit höhere Erlöse erzielen lassen. Eines scheint aber sicher zu sein: aktive Mitarbeit in Netzwerken ist eine Voraussetzung dafür, ernst genommen und respektiert zu werden – woraus neue Marktchancen erwachsen können.

Gemeinsam stehen die Vertreter der Bayerischen Forstwirtschaft zusammen, um für Regionalität in der Forst- und Holzwirtschaft zu werben. Hierzu formulierten wir eine Botschaft, die die Chancen und den Mehrwert des regionalen Holzes hervorheben (www.forstzentrum.de). Wir rufen die Politik und die Verbraucher auf, regionale Produkte zu wählen, um damit die Wirtschaft vor Ort zu stärken und den Wert unserer heimischen Wälder für Mensch und Umwelt bewusst zu machen.

Die Vertreter der Bayerischen Forstwirtschaft. Bilder: ANW

Bericht von ANW Bayern (Manfred Schölch, Walter Pabst von Ohain)

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