Interview Zukunft Laubholz

Sie sind 1. Vorstand der Waldbesitzervereinigung Aichach und im Ausschuss des Bayerischen Waldbesitzerverbandes. Was ist Ihre Motivation, bei der Veranstaltung „Zukunft Laubholz“ am 21.11.23 in Würzburg mit einem Vortrag teilzunehmen?

Eine der Kernideen der Veranstaltung ist es, die hervorragenden Verwendungsmöglichkeiten von Laubstammholz im stofflichen Bereich stärker bekannt zu machen: Klar kennen die Waldbesitzer im laubholzreichen Unterfranken diese Absatzmöglichkeiten. Aber in bisher von Nadelholz dominierten Regionen, wie bei uns in Schwaben oder in Ostbayern, werden viele Laubstammhölzer als Scheitholz genutzt, obwohl Sägewerke, viele mittelständisch und familiengeführt, diesen Rohstoff dringend benötigen. Dort entstehen u.a. Friesen, Parkett und hochwertiges Schnittholz, teilweise sogar für internationale Märkte. Diese Verwendungsmöglichkeiten wollen wir bei dieser Clusterveranstaltung fördern, indem wir sie bei unseren Waldbesitzern bekannt machen und kommunizieren. Ein weiteres Ziel ist es, aus strategischen Aspekten die Struktur der Laubholzabnehmer, auch mit kleineren Abnehmern zu erhalten und mit der Laubholzindustrie hier zusammenarbeiten.

Was hemmt bisher den Absatz von Laubstammholz?

Durch den Waldumbau entstehen in allen Regionen Bayerns vermehrt Mischwälder, mit steigenden Anteilen an hochwertigen und stärkeren Laubhölzern. Das beideutet die Waldbesitzervereinigung oder forstliche Dienstleister müssen im Kleinprivatwald bereits bei der Holzernte sortieren, die Hölzer bündeln und effiziert zum Abnehmer transportieren. Insofern ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um über Strategien zur Stärkung der Wertschöpfung im Laubrundholz nachzudenken. Hier erwarten wir auch durch die Digitalisierung einen Innovationsschub.

Fehlen diese Laubstammholzmengen dann nicht bei der Holzenergie?

Durch den Waldumbau werden wir in den nächsten 20 Jahren vermehrt Durchforstungshölzer und damit auch schwächer Holzdurchmesser bzw. minderer Qualität auf dem Markt bekommen. Wir sind dankbar, dass in den letzten Jahren zunehmend regionale und dezentrale Holzenergie-Wärmenetze entstehen. Wir als Waldbesitzer sehen in der modernen Holzenergie vor allem in mittleren und kleinen Anlagen sehr wichtige Holzabnehmer, die im ländlichen Raum Versorgungssicherheit garantieren und im Bereich Wärmegewinnung enstehende Nachfragespitzen effizient abfangen können. Insofern sind wir auch dankbar für die seit Mai 2023 bestehende Förderung von "BioWärme Bayern" des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, die genau auf solche Wärmenetze abzielt und hier Investitionen tätigt.

Wo sehen Sie Laubholz im Bereich "Bauen"?

Ich weiß, es ist eine Herausforderung, Laubholzprodukte in den Baubereich zu bringen. Aber sowohl mit dem Buchenfurnierschichtholz, als auch mit dem Laubbrettschichtholz haben wir zukunftsfähige Produkte, die ihre Nischen in besonderen Bauanwendungen gefunden haben. Das Parkhaus in Bad Aibling mit Buchenfurnierschichtholz hat kürzlich erst den Bayerischen Holzbaupreis, der von unserer Forstministerin Michaela Kaniber und proHolz Bayern verliehen wurde, erhalten. Und die Bayerische Clusterinititiative Forst und Holz vernetzt mit mehreren Projekten und mit der "Fachberatung Holzbau Bayern" seit Jahren die Akteure im Baubereich. Diese Aktivitäten sind aus meiner Sicht strategisch sehr wertvoll um hier mit Innovationen voranzukommen. Denn wie gesagt, die Menge des anfallenden Holzrohstoffes nimmt für diese Sortimente definitiv weiter zu.

Welche Vision haben Sie von der heimischen Forst- und Holzwirtschaft bezüglich Laubholz in der Zukunft?

Die Forstwirtschaft baut aufgrund des Klimawandels vermehrt Laubholz an, daher sehe ich am Holzmarkt der Zukunft strategisch einen klug austarierten Mix: für die Holzenergie zur Verfügung stehende schwächere bzw. mindere Holzsortimente und Laubstammholz von guter Qualität als wertschöpfendes Element in der heimischen Industrie, dass zu hochwertigen Produkten im Bau verarbeitet ist. Darüber hinaus erleben wir alle die wachsenden, internationalen Aktivitäten im Bereich der holzbasierten Bioökonomie. Ich bin überzeugt, Mitteleuropa steht vor weiteren  Investitionen in Bioproduktewerke, die aus unseren Hölzern spannende Produkte im Bereich Chemie, Pharma, Verpackung und Textil herstellen. Damit entstehen ganz neue Wertschöpfungskettten mit Industriezweigen, mit denen wir bisher noch wenig zu tun hatten. Wir von der Forstwirtschaft sind daher auch dankbar für die aktuellen Aktivitäten zur Standortsbewerbung Bayern durch die Clusterinitiative Forst und Holz. Insofern sehe ich die Entwicklungen im Laubholzbereich gerade für meine Waldbesitzer insgesamt positiv und ich freu mich darauf.

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          Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern gGmbH

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          85354 Freising

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          T +49 8161 96 995-63

          F +49 8161 96 995-79

          E post@cluster-forstholzbayern.de

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