Hintergrund

Laubhölzer sind in Mitteleuropa für eine naturnahe und standortgerechte Waldbewirtschaftung sowie für den Aufbau stabiler Wälder von entscheidender Bedeutung. Insbesondere der sich abzeichnende Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die Wachstumsbedingungen führen zu einem kontinuierlichen Anstieg des Laubholzanteils und damit mittel- bis langfristig zu einer erhöhten Verfügbarkeit von Laubrundholz.

Die Ergebnisse der Bundeswaldinventur zeigen hierzu wiederholt die eindeutige Tendenz (BMEL 2014). Vor diesem Hintergrund muss zukünftig mit einer veränderten Zusammensetzung des Rohholzangebots gerechnet werden. Auf Basis der Bundeswaldinventur wurden dazu wissenschaftliche Szenariorechnungen zum zukünftigen Nutzungspotenzial durchgeführt. In Bayern könnte es neben einem leichten Rückgang des Holzaufkommens zu einem Anstieg des Nutzungspotenzials v. a. bei Buche kommen, während es v. a. bei der Fichte sinkt (Clusterstudie 2015).

Clusterstudie 2015: Holzeinschlag und zukünftiges Nutzungspotenzial in bayerischen Wäldern
Clusterstudie 2015: Holzeinschlag und zukünftiges Nutzungspotenzial in bayerischen Wäldern

Im Widerspruch zur waldbaulichen Bedeutung der Laubhölzer und dem potenziellen Holzaufkommen steht die derzeitige, unterschiedlich starke Nutzung der verschiedenen Holzarten.

Während die Nutzung bei Fichtenholz bereits teilweise den Zuwachs übersteigt (Schmitz et al. 2004, Polley et al. 2009), stagniert diejenige von Laubholz seit vielen Jahren auf einem geringen Niveau. Insbesondere sägefähige, schwächere Sortimente und Rundhölzer minderer Qualität können derzeit nur in geringem Umfang vermarktet werden. Zusätzlich zu den begrenzten Absatzmöglichkeiten wird der größte Anteil des geernteten Laubholzes in Mitteleuropa derzeit als Brennmaterial mit geringerer Wertschöpfung und kürzerer Kohlenstoffbindung direkt der thermischen Verwertung zugeführt wird (Krackler et al. 2010; Weimar und Seintsch 2012; Hübner 2013). Allein in Deutschland beträgt dieser Anteil 70 %.

 

Inländische Rohholzverwendung 2006
Seintsch 2011: Rohholzverwendung in Deutschland 2006

Im Sinne einer effizienten Bioökonomie müssen eine gesteigerte stoffliche Verwertung und eine erhöhte Wertschöpfung der verfügbaren Laubholzsortimente angestrebt werden.

Dafür ist die Verbesserung bereits existierender und die Erschließung neuer, wirtschaftlich interessanter Absatzmöglichkeiten dringend erforderlich. Auch im Hinblick auf die volkswirtschaftliche Bedeutung der Holzindustrie im ländlichen Raum sind sinnvolle Alternativen zur thermischen Verwertung anzustreben. Hierbei wird aufgrund der hervorragenden Werte für die Festigkeit und Steifigkeit des Holzes schon seit längerem v. a. die Verwendung in statisch hoch belastbaren Bauprodukten diskutiert und erforscht (z. B. Glos et al. 2004; Blaß et al. 2005; Blaß und Frese 2006; Schmidt und Glos 2010; Schmidt 2010). Die daraus gewonnenen Erfahrungen mit Buche, Eiche und Esche lassen keine Zweifel daran, dass sich mit diesen Holzarten das bisherige Spektrum tragender Holzbauteile signifikant erweitern lässt. Innovative, bauaufsichtlich zugelassene Produkte wie Brettschichtholz (BSH) und Furnierschichtholz (FSH) aus Buche sind erste, beachtenswerte Ergebnisse.

Allerdings müssen sich derartige Produkte und deren Anwendungssysteme aufgrund des in einigen Bereichen noch geringen Entwicklungsstandes noch an Bauteilen aus Nadelholz messen lassen. Dies hängt mit noch ungelösten bzw. erst teilweise gelösten Herausforderungen bei der Herstellung von Produkten aus Laubholz zusammen.

Problematisch stellen sich u. a. folgende Eigenschaften dar:

  1. Die technische Trocknung des Schnittholzes ist zeitintensiv und/oder teuer, zudem kommt es oft zu unerwünschten Verformungen.
  2. Aufgrund der höheren Rohdichte schwinden bzw. quellen Laubhölzer bei Feuchtewechsel deutlich stärker (geringe Dimensionsstabilität).
  3. Eine natürliche Dauerhaftigkeit gegenüber Pilzen ist bei Laubhölzern – mit Ausnahme des Kernholzes der Eiche – kaum vorhanden, was eine Anwendung im Außenbereich, insbesondere bei direkter Bewitterung, bisher nicht ermöglicht.
  4. Die häufig anzutreffende Krummschäftigkeit der Stämme reduziert sowohl die nutzbare Länge als auch die Ausbeute des erzeugten Schnittholzes deutlich.
  5. Bei der Verklebung müssen speziell angepasste Technologien verwendet werden, da für Nadelholz bewährte Klebstoffsysteme nicht gleichermaßen geeignet sind. Zudem muss die Verklebung sehr sorgfältig erfolgen, damit die Klebefugen dauerhaft den auftretenden Beanspruchungen standhalten. Unter industriellen Bedingungen ist der Prozess daher bislang nur mit verhältnismäßig hohem Aufwand durchführbar.
  6. Die höhere Rohdichte und Härte stellt erheblich höhere Anforderungen an Werkzeuge, Maschinen und führt zu einer Senkung der Prozessgeschwindigkeit.
  7. Eine eingeschränkte optische Bandbreite einheimischer Laubhölzer gegenüber international gehandelten Holzarten führt in bestimmten Verwendungsbereichen (z. B. Innenausbau) zu deren Ausschluss.

Die dargestellten Nachteile führen zu einer aufwendigen, zeit- und vor allem kostenintensiven Produktion oder schließen bestimmte Anwendungen aus. Innovative Laubholzprodukte sind daher am Markt bisher kaum erhältlich bzw. erlauben keinen breiten, wirtschaftlich konkurrenzfähigen Einsatz. Potenziellen Anwendern wird die Verwendung erschwert und mögliche Marktanteile müssen so wieder an das Nadelholz bzw. andere (Bau)Stoffe und Materialien abgegeben werden.

Lassen sich die beschriebenen Nachteile überwinden, ergeben sich insgesamt große Marktpotenziale hinsichtlich der Laubholznutzung in Form innovativer Produkte – hauptsächlich für den Baubereich.

Bei entsprechender Umsetzung der technischen Herausforderungen und der gezielten Schaffung einer breiteren Akzeptanz von Laubholzholzprodukten im Bauwesen – z. B. durch Bauherren, Planer und Architekten – werden diese auf einen aufnahmebereiten Markt treffen. Der gesamte Cluster Forst und Holz kann somit verstärkt in Konkurrenz zu anderen Materialien wie Kunststoff, Stahl und Beton treten. Von dieser Entwicklung können alle Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette Forst und Holz nachhaltig profitieren.

Literatur (Auswahl)

Stand: 24.09.2020

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