Holz ist ein Alleskönner - Interview mit Staatssekretär Franz Josef Pschierer

Der Umbau unserer Wälder für mehr Stabilität und Klimatoleranz erfordert mittelfristig neue Absatzkanäle und Verwendungsmöglichkeiten für Laubholz. Das bayerische Wirtschaftsministerium unterstützt diesen Weg auf der Verwendungsseite und hat dazu in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen und unterstützt. Sepp Kellerer vom Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt hat Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer dazu befragt und den auszugsweisen Abdruck des Interviews auf der Clusterhomepage gestattet.

Staatssekretär Franz Josef Pschierer
Staatssekretär Franz Josef Pschierer

Der Umbau unserer Wälder für mehr Stabilität und Klimatoleranz erfordert mittelfristig neue Absatzkanäle und Verwendungsmöglichkeiten für Laubholz. Das bayerische Wirtschaftsministerium unterstützt diesen Weg auf der Verwendungsseite und hat dazu in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen und unterstützt. Sepp Kellerer vom Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt hat Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer dazu befragt und den auszugsweisen Abdruck des Interviews auf der Clusterhomepage gestattet.

Sepp Kellerer: Wo hat denn eigentlich das bayerische Wirtschaftsministerium im Bereich Forst und Holz Aktien im Spiel?

Franz Josef Pschierer: Wir haben Aktien im Spiel, wenn es um die Verarbeitung von Holz geht und um die energetische Verwertung. Holz ist ein heimischer und klimafreundlicher, nachwachsender Rohstoff. Holz bringt Wertschöpfung im ländlichen Raum. Das wird stark unterschätzt. Wenn ich die Wertschöpfungskette addiere, dann liegen wir heute in Bayern bei knapp 200 000 Arbeitsplätzen und einem Jahresumsatz von circa 37 Milliarden Euro. Das ist sogar etwas mehr als im bayerischen Tourismus.

Holz ist ein Alleskönner, das gilt nur für ganz wenige Werk- und Rohstoffe. Holz wird bereits eingesetzt in der chemischen Industrie und bei Biokunststoffen und wir sehen Potenziale in weiteren Sektoren, zum Beispiel Automobilbau, Maschinenbau, Logistik, Infrastruktur oder Gebäudeindustrie. …

S.K.: Sie haben vorher von neuen Anwendungspotenzialen gesprochen, gibt es da Bereiche, die aus Ihrem Haus gefördert werden?

Pschierer: Die Wirtschaft der Zukunft wird in stärkerem Umfang biobasiert sein. Es werden natürliche und nachwachsende Rohstoffe stärker zum Einsatz kommen. Holz ist da ein wichtiger Baustein, und zwar als Basismaterial für chemische Produkte. Bayern ist Chemiestandort. Wir haben es geschafft, ein dichtes Netzwerk aufzubauen aus Wirtschaft und Wissenschaft im Bereich Holz. Sowohl kleine Start-ups als auch etablierte Konzerne werden entweder durch C.A.R.M.E.N. e. V. in Straubing oder durch das Cluster Forst und Holz in Freising unterstützt. Künftig spielen innovative Technologien und intelligente Veredelungsverfahren eine wichtige Rolle und Holz kann da gerade in Kombination mit anderen Materialien punkten. Es wird damit zum Beispiel witterungs- und brandbeständiger.

Auch hier fördern wir im Rahmen der außeruniversitären Forschung. Partner der Wirtschaft sind da die Hochschule in Rosenheim, in München die TU, in Straubing das Wissenschaftszentrum, die Universität Bayreuth oder die papiertechnische Stiftung. Es gibt aus unserem Haus ein Verbundforschungsprogramm für neue Werkstoffe, es gibt auch ein Cluster neue Werkstoffe. Ein Ergebnis dieser Aktivitäten sind Holz- Kunststoff-Verbundwerkstoffe, sogenannte WPC. …Wichtig ist dabei auch die Substitution bisheriger Werkstoffe. Holz ist nachwachsend, ist klimafreundlich, ist CO2-neutral. Es lassen sich mehrere Ziele gleichzeitig positiv gestalten.

S.K.: Ist damit Holz zum Verbrennen zu wertvoll?

Pschierer: Wir werden auch künftig sowohl die stoffliche als auch die energetische Verwertung haben. Wenn ich die Gesamtwärme nehme, die aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, dann kommen 80 Prozent davon von Holz. Energiewende bedeutet auch Wärmewende – und die ist ohne Holz undenkbar. Holz ist ein begrenzter Rohstoff ja, insofern gibt es Konkurrenz zur stofflichen Verwertung.

Bedauerlich ist der Rückgang bei den Investitionen in Holzheizungen. Wurden 2014 in Deutschland noch 40 000 Pelletheizungen installiert, waren es 2015 nur noch 30 000. Ursache ist der niedrige Ölpreis, aber das ist politisch motiviert, der Ölpreis wird wieder steigen.

Wir haben in Bayern bewusst nicht vorgeschrieben, dass neue Heizungen mit erneuerbaren Energien arbeiten müssen. Wir setzen hier auf das Prinzip Freiwilligkeit, ich fürchte nämlich, dass Vorschriften die Investitionsbereitschaft hemmen.

S.K.: Die Forst- und Holzwirtschaft will mit proHolz Bayern die Holzverwendung voranbringen. Wie schätzen Sie das ein?

Pschierer: Die Forst- und Holzbranche hat damit Vorbildcharakter in Deutschland. Und ich möchte mich bedanken, dass die beteiligten Verbände, die Vorteile von Holz stärker in die Öffentlichkeit tragen. Denn es ist wichtig, dass alle Menschen, die mit Bauen und mit Planen zu tun haben, auch die Nutzungsmöglichkeiten und die Kombination von Materialien kennen.

Es ist mit proHolz Bayern auch gelungen, die gesamte Wertschöpfungskette mit ihren vielfältigen Interessen in ein Boot zu holen. Aber die Aktivitäten müssen natürlich finanziert werden, und das muss die Branche selbst tun.

S.K.: Die finanzielle Hauptlast bei proHolz Bayern tragen im Moment die privaten und kommunalen Waldbesitzer sowie die Bayerischen Staatsforsten. Könnten Sie sich vorstellen, dass das Wirtschaftsministerium die Beiträge der ihm zuzuordnenden Bereiche wie Sägewerke, Schreiner, Zimmerer aufstockt?

Pschierer: Was ich der Forst- und Holzwirtschaft anbieten kann, das ist eine Förderung im Bereich Forschung und Entwicklung, was neue Nutzungsmöglichkeiten oder Pilotvorhaben angeht. Es muss dabei lediglich um anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung gehen.

S.K.: Bei so vielen Vorteilen und Potenzialen von Holz, können wir es uns da leisten, Waldflächen aus der Nutzung zu nehmen, wie von der Umweltseite gefordert?

Pschierer: Eine klare Ansage: schützen und nutzen ist die Devise. Holz hat den Menschen in seiner ganzen Entwicklungsgeschichte begleitet und wurde immer genutzt. Die Nutzung muss den Prinzipien der Nachhaltigkeit genügen, aber wir halten nichts davon, den Freistaat zu einem großen Naturpark oder Nationalpark zu machen.

Ich halte auch die Diskussion für fatal, weil sie den Eindruck erweckt, als würden sich Ökonomie und Ökologie ausschließen. Wir schaffen es sehr gut, die Erfordernisse von Landschafts-, Umwelt- und Naturschutz zu kombinieren mit sinnvoller ökonomischer Nutzung.

Die privaten Waldbesitzer haben seit Jahrhunderten ihren Wald ohne Vorschriften genutzt, gepflegt und erhalten. Sie wussten und wissen, sie handeln nicht für ein Jahr, sondern für Generationen. Es muss aber auch das Recht des Eigentümers sein, sein Eigentum im Rahmen der geltenden Gesetze zu nutzen.

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