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Professionalisierung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse - Interview mit Josef Ziegler, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes

Eines der Kernthemen auf dem Bundeskongress für Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse (BUKO) Mitte November in Wernigerode ist der Aufbau erfolgreicher forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse gewesen. In fünf Arbeitskreisen haben die Teilnehmer unter anderem Strategien rund um den Kleinstprivatwald und die digitale Zusammenarbeit entwickelt. Die Unternehmenskultur, wie etwa die Pflege eines partnerschaftlichen Umgangs im Cluster, tragen dazu bei, Kalamitätsjahre gut zu bewältigen. In Jahren, wie dem zu Ende gehenden 2018, zeigt sich auch, dass eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit wichtig ist - besonders wenn es darum geht, den Umbau der Bayerischen Wälder in stabile Mischbestände voranzutreiben.

Ein kurzes Interview mit dem Präsidenten des Bayerischen Waldbesitzerverbandes und Vorsitzenden der WBV Cham-Roding, Josef Ziegler, veranschaulicht, wie wesentlich die Professionalisierung der Zusammenschlüsse vor dem Hintergrund der diesjährigen Witterungsbedingungen ist.

Josef Ziegler, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes (Foto: Fotohaus Zacharias)
Josef Ziegler
Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes

Herr Ziegler, Sie sind Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes: Wenn Sie auf das Jahr 2018 zurückblicken, was kommt Ihnen in den Sinn?

Das Jahr 2018 ist ein Krisenjahr und wird auch rückblickend im Vergleich zu anderen kalamitätsgeprägten Jahren als ein solches wahrgenommen werden. Wichtig für die Waldbesitzer war es, dass Bayern frühzeitig und so schnell wie kein anderes Bundesland mit einem Borkenkäfermaßnahmenpaket auf die Waldschutzsituation reagiert hat. Forstpolitisch war der Waldpakt ein großer Erfolg, der auf dem 100-jährigen Jubiläum des Bayerischen Waldbesitzerverbandes während der Interforst zwischen den Vertretern der Waldbesitzer und der Bayerischen Staatsregierung unterzeichnet wurde. Mit dem Waldpakt werden wichtige Weichen für die Zukunft gestellt.

Der Waldumbau ist ein wichtiges Ziel in der Branche das die letzten Jahre von vielen Waldbesitzern erfolgreich durchgeführt wurde, in Bayern gibt es die „Waldumbauoffensive“. Warum sind Waldpflege und die Wahl klimastabiler Baumarten so wichtig?

Die Auswirkungen des Klimawandels sind heuer ganz besonders sichtbar geworden. Bereits Anfang Januar ist es losgegangen mit dem Sturm Brunlind und dann folgte der Orkan Friederike, der in Nord- und Mitteldeutschland rund 14 bis 15 Millionen Festmeter geworfen hat. Witterungsbedingt ist das Jahr mit einer Trockenperiode, die überregional noch anhält, immer extremer geworden. Das hat eine entsprechende Borkenkäfer-Massenvermehrung nach sich gezogen. Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass die Intervalle zwischen Kalamitäten und Wetterextremen kürzer werden. Viele Wälder haben hohe Anteile mit sehr vorratsreichen, von ihrem Betriebsrisiko instabilen Beständen, die für Schadereignisse wie Sturm und Käfer anfällig sind. Ich wünsche mir solche Jahre nicht öfter, aber wir müssen die Sachlage objektiv betrachten: Mit ungepflegten Nadelholzreinbeständen in Kombination mit den Auswirkungen des Klimawandels und Extremwetterereignissen, werden wir nicht an der Prognose vorbeikommen, dass die Schäden zunehmen werden.

Auf dem BUKO sind erfolgsversprechende Konzepte und Visionen für die Zukunft der Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse (FWZ) erarbeitet worden. Die Teilnehmer haben die Aufgaben der Zusammenschlüsse, Möglichkeiten der Waldbesitzeransprache, Vertrauen und Leitbilder in der Branche diskutiert. Worüber wird aktuell in den Bayerischen Zusammenschlüssen diskutiert, wenn man draußen auf der Fläche unterwegs ist?

Die FWZ leiden unter der Tatsache, dass sie im Augenblick die Holzmengen ihrer Mitglieder nicht gut auf dem Markt absetzen können. Das ist grundsätzlich für jeden Forstbetrieb so – unabhängig davon, ob es sich um die BaySF oder einen Forstwirtschaftlichen Zusammenschluss handelt. Bei den Forstbetriebsgemeinschaften verschärft sich die Thematik dahingehend, dass sie mit stark wechselnden Holzmengen operieren müssen. Die Zusammenschlüsse erleben Phasen, wie zum Beispiel in den Jahren 2013 bis 2015, mit sehr zurückhaltenden Einschlägen ihrer Mitglieder. Nun müssen sie kalamitätsbedingt mit genau dem Gegenteil zurechtkommen.

Die Digitalisierung in der Forstbranche wird hier auf dem BUKO als ein zentraler Beitrag gewertet, wie die Geschäftsprozesse bei den Zusammenschlüssen optimiert werden können. Sind gleichzeitig Schritte nötig, wie der von Ihnen beschriebene starke Wechsel zwischen ruhigen und Kalamitätsgetriebenen Jahren gepuffert werden kann?

Bei einer entsprechend starken Wellenbewegung oder Volatilität wie dieser, müssen wir an beiden Extremen arbeiten. Den Ausschlag der Welle nach oben müssen wir begrenzen durch gutes Kalamitätsmanagement und einer optimierte Borkenkäferbekämpfung, wie es im Rahmen des Borkenkäfermaßnahmenpakets bereits erfolgt ist.

Die untere Seite der Welle müssen wir aber genauso begrenzen, denn die personelle Ausstattung der FWZ wird sich an diesen Tälern orientieren. Am Ende müssen wir eine Verstetigung und Abmilderung dieser großen Unterschiede hinbekommen: Aktivieren in den Zeiten, in denen die Waldbesitzer nicht so aktiv sind, und Schadensvorsorge und -minimierung im Kalamitätsjahr.

Mit den Visionen und Ideen für die kommenden Jahre und Jahrzehnte haben sich die Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse auf dem BUKO in einer durchaus positiven Stimmung auseinandergesetzt. Wenn Sie in Bayern konkret auf das Jahr 2019 blicken, welche Entwicklung für die Forstwirtschaft erwarten Sie?

Wenn es ruhig bleibt, wird die aktuelle Überbevorratung unserer Kunden wieder etwas zurückgehen. Genauso gut kann es aber auch sein, dass die Borkenkäferwelle nicht endet. Dann müssen wir alles tun, um eine galoppierende Borkenkäferausbreitung zu verhindern. Wir müssen die multifunktionale Forstwirtschaft sichern. Multifunktional heißt, dass es neben dem Rohstoff Holz noch ganz viele andere Dinge gibt, die wir als Gesellschaft aus der Forstwirtschaft gewinnen.

Was sind in Richtung Waldumbau weitere Aufgaben für die nächsten Jahre:

Der Umbau unserer Wälder ist eine der ganz großen Herausforderungen für uns Waldbesitzer, aber auch für die gesamte Gesellschaft. Niemand kann heute genau vorhersagen, welche Baumarten so klimatolerant sind, dass sie die Wälder der Zukunft prägen. Wir müssen deshalb auf gemischte und strukturierte Wälder setzen. Die Bewirtschaftung unserer Wälder wird anspruchsvoller werden. Gleichzeitig dürfen wir beim Waldumbau aber nicht den Wirtschaftsfaktor Wald und das Wertschöpfungspotential außer Acht lassen. Im Wald muss auch Geld verdient werden. Nur so können die umfangreichen Investitionen und Aufwendungen für die Zukunft mit finanziert werden. Künftig werden neben den „klassischen“ Produkten im Rahmen der stofflichen und energetischen Nutzung andere Baumarten und Holzsortimente von uns bereitgestellt. Vor allem für Laubholz muss die Produktpalette und das Wertschöpfungspotential verbessert werden. Es gilt im ganzen Cluster Projekte anzustoßen und innovative Nutzungsketten anzuschieben. Die Bioökonomie hält hier sicherlich große Chancen bereit, genauso wie zukunftsweisende Holzbauten aus verschiedensten Holzarten.

Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang auch das flächendeckende und von der ganzen Wertschöpfungskette getragene Marketing für unser Bayerisches Holz wie es über proHolz Bayern stattfindet. Hier gilt dem Waldbesitz für die Unterstützung von proHolz Bayern ein großer Dank.

Herr Ziegler, was wünschen Sie der Forstwirtschaft in Bayern für das nahe Jahr 2019?

Aus Sicht des Waldes heraus gibt es jetzt erst einmal einen ganz praktischen Wunsch: Dauerregen – und das am besten von Neujahr an – und natürlich wünsche ich den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern ein erfolgreiches Jahr 2019 mit gesunden Wäldern und der gesamten Branche etwas mehr Verständnis füreinander.

Wir bedanken uns herzlich für das Interview.

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