Georg Höhensteiger betont Wichtigkeit der Regionalen Holzketten

Interview mit Georg Höhensteiger, 1. Vorsitzenden WBV Rosenheim und
Mitglied im Arbeitskreis der "Regionalen Holzkette Südostoberbayern"

Georg Höhensteiger ist 1. Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Rosenheim w. V. und vertritt damit über 3.000 meist kleine Waldbesitzer aus der Region mit einer Waldfläche von über 21.000 ha. Im Interview betont er, wie wichtig regionale Holzketten sind, um auch in Zukunft eine stabile Versorgung in der Region zu gewährleisten und kleine sowie mittlere Sägewerke zu erhalten.

 

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Georg Höhensteiger, 1. Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Rosenheim w. V.
und Mitglied im Arbeitskreis der "Regionalen Holzkette Südostoberbayern"

 

Herr Höhensteiger, warum engagieren Sie sich im aktuellen Projekt "Regionale Holzkette Südostoberbayern"?

"In den letzten Jahren haben wir gesehen, dass sich die Schnittholzströme immer mehr internationalisieren. Teilweise waren die Holzströme preislich komplett entkoppelt von unseren Rundholzpreisen und rein globaler Natur. Diese Entwicklung ist nicht automatisch gut für den Waldbesitz oder auch für die bei uns noch vorhandenen kleinen Familien geführten Sägewerksunternehmen und Holzeinschlagsunternehmen. Gleichzeitig sehen wir auch, zumindest bei einem Teil der Endverbraucher, die doch stark nachwachsende Nachfrage nach heimischem Holz. Wir brauchen konkret für diese Anfragen regionale Lösungen."

Was passiert in dem Projekt „Regionale Holzkette Südostoberbayern“?
"Die „Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern“ moderiert hier seit Frühjahr 2021 einen tatsächlich offenen Prozess mit allen Beteiligten der Holzerntekette vom Forst bis hin zu den Holzbauunternehmen. Man merkte anfangs deutlich, dass unglückliche Konstellationen aus den letzten Jahren, bzw. Jahrzehnten die Beziehung der Branchen-Mitglieder in der gesamten Wertschöpfungskette untereinander störte. Großes Misstrauen lag im Raum und man sah teilweise keine Chance, hier wieder auf einen Nenner zu kommen. Es bedurfte großem Fingerspitzengefühl von Seiten des Clusters, diesen Prozess zu moderieren. Aber wir haben es geschafft und – es hört sich altmodisch an – aber es entwickelte sich in den letzten Monaten eine richtig gute Vertrauensbasis. Man traut sich offen miteinander zu reden, Fragen zu stellen und in die vor- bzw. nachgelagerte Wertschöpfungskettenstufe hineinzuschauen. Hierdurch existiert nun ein viel besserer Informationsaustausch. Vertragliche Regelungen zwischen den Beteiligten passieren dennoch im direkten Austausch der einzelnen Handelspartner."

Was sind die nächsten Schritte im Projekt?
"Der Cluster hat unter der „proHolz Bayern“-Flagge eine aus unserer Praktikersicht sehr gute Kampagne aufgestellt, um einerseits die Geschlossenheit in der Branche zu stärken, als auch den Markt beim Endkonsumenten anzugehen. Es gibt Plakate mit Vertretern aus jeder Wertschöpfungsstufe. Diese sind ein Statement der Marktteilnehmer und ein Bekenntnis zur regionalen Holzkette.
Dann sehe ich das wichtige Signal an die kleinen und mittleren Sägewerke: Holz hat goldenen Boden, bitte investiert und bleibt uns erhalten. Eine hohe Anzahl und Vielgestaltigkeit an Rundholzabnehmern beinhaltet große strategische Vorteile auch für unsere Forstwirtschaft."

Sie betonen als Praktiker doch überraschend stark die Wichtigkeit der Kommunikation?
"Ich sehe die Vorzüge unserer multifunktionalen Forstwirtschaft. Darin spielt die Waldbewirtschaftung mit der Bereitstellung von Rundholz eine zentrale Rolle. Wenn dann in der EU oder im Bundesumweltministerium nur über die Senkenleistung von Wald oder Waldstilllegung diskutiert wird und die viel wichtigere Rolle der Substitution von Energie intensiven Rohstoffen durch Holz so wenig Beachtung findet, dann können wir das nur gemeinsam tun und dann haben wir noch viel Kommunikationsarbeit vor uns. In Bayern gibt es das Sprichwort: „Mit dem Reden kommen die Leute zusammen“ Daher ist die Bündelung der Imagearbeit unter proHolz Bayern essentiell denn nur gemeinsam kriegen wir das hin."

Welche langfristige Vision haben sie zur „Regionalen Holzkette Südostoberbayern“?
"Wir haben in den letzten Jahren miterlebt, wie große Fichtenflächen mitten in Deutschland, sowie im angrenzenden Ausland z.B. Tschechien und Österreich durch Kalamitäten zerstört wurden. Ich befürchte, dass dort langfristig ein Mangel an verwertbarem Bauholz entstehen wird. Ich erwarte in den nächsten Jahren eine verstärkte Nachfrage nach Bauholz hier in Süddeutschland. Gleichzeitig sehe ich auch die Befürchtungen kleinerer einheimischer Sägewerke, ob sie in der Zukunft noch ihren Bedarf an heimischen Bauholz decken können. Auch wenn wir nach wie vor die großen Sägewerke brauchen, um unser gesamtes Holzaufkommen vermarkten zu können, wollen wir explizit die regionale Holzkette bis zum Holzbauunternehmer hier vor der Tür stärken und dauerhaft erhalten. Wenn wir uns jetzt gut aufstellen, dann können wir manche zukünftige Entwicklung in der Region besser und gelassener abpuffern, auch wenn mal wieder die Schnittholzpreise verrückt spielen."

 

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Stand: 22.10.2020

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